Wann beginnen die Raunächte?

Die Raunächte sind derzeit wieder in aller Munde. Eine Frage, die oft heiß diskutiert wird: „Beginnen die Raunächte zur Wintersonnwende am 21. Dezember, oder am 24. Dezember zu Weihnachten?“

Meine Meinung: „Weder noch.“ Der Begriff der Raunächte, beschreibt die sogenannte „Zeit zwischen den Jahren.“ Gemeint ist damit aber nicht irgend eine Zeit zwischen diesem und nächstem Jahr, sondern zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr. Dazu muss man wissen, dass unsere Vorfahren die Zeit anhand der natürlichen Kreisläufe von Sonne und Mond maßen. Sie orientierten sich an beiden, und da das Sonnenjahr und das Mondjahr logischerweise nicht deckungsgleich sind, braucht es einen gewissen Zeitraum der den Unterschied ausgleicht. Eben die Zeit zwischen den Jahren. 

Die Zeit zwischen den Jahren, bzw. die Zeit der Raunächte, ist also die Zeit zwischen dem Ende und dem Neubeginn des Sonnen- und des Mondjahres. Sie liegt daher zwischen Neumond und Wintersonnwende. Im heurigen Jahr (2018) dauern die Raunächte somit beispielsweise vom 7. bis zum 21. Dezember.

Norbert Paul schrieb zu diesem Thema einen meiner Meinung nach sehr treffenden Artikel, der unter folgendem Link zu finden ist: https://www.norbert-paul.eu/index.php/blog/7-blog/119-die-raunaechte-zwischentradition-und-ursprung?fbclid=IwAR3DeG_4IeFB9GRlovuz2UN7IPzSLAyTnWViFmrjZ4gFD6B7jQIKcxvge80

Genauso verhält es sich übrigens mit den vier Mondfesten Imbolc, Beltane, Lugnasad und Samhain des keltischen Jahreskreises.

Die fixen Daten an denen diese Feste heutzutage meist gefeiert werden orientieren sich am Sonnenjahr. Mondfeste haben aber die Eigenschaft, wie etwa auch das christliche Osterfest, dass sie zeitlich in Abhängigkeit der Mondzyklen variieren und daher eigentlich nicht immer am selben Datum stattfinden.

Die Zusammenhänge sind klar. Beltane etwa ist ein Fest über den endgültigen Sieg des Lichts, es wird daher in einer Vollmondnacht gefeiert. Im Gegensatz dazu ist Samhain ein Fest der Dunkelheit, es wird in einer Schwarzmondnacht gefeiert. Lugnasad ist nach der Sommersonwende in einer frühen Phase der absinkenden Energie zugeordnet, es wird bei abnehmendem Halbmond gefeiert. Analog verhält es sich mit Imbolc. Die Energie ist gerade wieder am ansteigen, daher feiern wir es bei zunehmendem Halbmond.

Es macht daher also keinen ernsthaften Sinn die Raunächte, genauso wie diese vier Feste, an fixen, dem patriarchalen Sonnenjahr zugeordneten Terminen zu feiern, denn schließlich hängen sie direkt mit den Mondzyklen zusammen.

Bild © Wolfgang R. Walch

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